Der künstliche Winter
Mit Schneekanonen gegen den Klimawandel:
Salto Mortale in die Vergangenheit


Autoren: Axel
Doering und Sylvia Hamberger (Landesarbeitskreis Alpen des BN)
unter
Mitarbeit von Dr. Christine Margraf, Thomas Frey und dem Landesarbeitskreis
Alpen des Bund Naturschutz in Bayern
2.
aktualisierte Auflage, Februar 2007
Hrsg.:
Bund Naturschutz in Bayern
Fachabteilung
München
Pettenkoferstraße 10a/I
80336 München
089/548298-63
Inhalt:
Einführung
1.
Der Klimawandel in den Alpen
2. Der
Bayerische Ausbau: Mit Schneekanonen rückwärts in die Zukunft S. 5
2.1. Aufrüstung mit Schneekanonen
2.2. Die Kosten des
Kunstschneewahnsinns
2.3. Investitionsspiralen – in die
Sackgasse
3. Die
Genehmigungspraxis in Bayern S.
13
4. Kunstschnee
– nur Wasser und Luft ? S.
15
4.1. Technische Infrastruktur
4.2. Energie
4.3. Wasser
4.4. Beschneiungszusätze
5.
Schneekanonen und ihre direkten Folgen S.
19
5.1. Direkte Folgen durch die Baumaßnahmen
5.2. Direkte Folgen durch den
Betrieb
a) Wasserhaushalt
b) Flora
c) Fauna
d) Landschaftsbild
1:
Liste der aktuellen Zahl der Beschneiungsanlagen in den bayerischen Alpen S. 31
2:
Beispiele aktueller Entwicklungen ausgewählter Skigebiete S. 34
3:
Beispiele für kommunale Zuschüsse und Finanzierungsprobleme S. 35
Einführung
Alle Prognosen über den Klimawandel
werden übertroffen: Er verläuft viel schneller als erwartet.
Die Häufung wärmerer Winter stellt
bereits eine „ernste Gefahr für die
Schneesicherheit in den Skigebieten der Alpen und folglich für die
wintersportorientierte regionale Wirtschaft“ dar. Eine Studie der Organisation
für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD, 2006) bezeichnet die
Lage für die deutschen Skigebiete als besonders ernst: Nahe zu alle Skigebiete
in Deutschland müssen durch den Klimawandel um ihre Schneesicherheit fürchten.
Bei einem weiteren Temperatur-Anstieg um nur ein Grad wird die Zahl der
schneesicheren Ski-Gebiete in Deutschland bereits um 60 Prozent sinken. Steigt
die Temperatur um 4° C an, werden letztlich wohl nur die Skipisten auf der
Zugspitze und vielleicht auf dem Nebelhorn übrig bleiben.
„Schneesicherheit“ ist für die alpinen
Wintersportgemeinden zum Symbol dessen geworden, woran es am meisten mangelt:
an einer geschlossene Schneedecke, die in der Zeit vom 1. Dezember bis 15. April
an mindestens 100 Tagen und in einer Dicke von etwa 30 – 50 cm liegen bleibt.
Dies sollte in sieben von zehn Wintern der Fall sein, um das Prädikat
„schneesicher“ zu erhalten. Eigentlich
gilt diese Definition für Naturschnee. Jetzt soll diese „Schneesicherheit“ aus
der Maschine kommen.
Noch in den siebziger Jahren waren die
Winter so kalt, dass nicht nur in den Alpen, sondern auch um München herum regelmäßig
Volksskiläufe veranstaltet wurden. Mit Beginn der Achtzigerjahre fielen diese
immer häufiger dem Schneemangel zum Opfer. Auch bekannte Weltcupskirennen wie
z. B. in Garmisch-Partenkirchen mussten immer wieder abgesagt werden.
Da das Image „Wintersport“ und die
Kommerzialisierung des Skisports eine Bereitstellung von Schnee - unabhängig
von Wetter und Klima – verlangt, werden den Klimaprognosen zum Trotz die
Beschneiungsanlagen ausgebaut. In Bayern hat diese Aufrüstung mit Schneekanonen
in den letzten Jahren ein Ausmaß angenommen, das die Befürchtungen der
Naturschutzverbände weit übertrifft. Nicht nur die Anzahl der Gebiete und die
Größe der Beschneiungsanlagen nahm und nimmt ungebrochen zu, auch die
„Grundsätze für die Genehmigung und den Betrieb von Beschneiungsanlagen“ wurden
entscheidend gelockert.
So soll ein Winter suggeriert werden,
der sich wegen des Klimawandels mehr und mehr verabschiedet. Schneereiche
Winter, die vor allem durch Energieverschwendung und ihre Folgen immer seltener
werden, sollen für eine Übergangszeit durch weitere Energieverschwendung
zurückgekauft werden. Die künstliche Beschneiung fördert die Illusion von
weitgehender Machbarkeit, aber dieses Konzept gerät schnell an seine Grenzen.
Es wird ein Wettlauf mit der Zeit. Im
Winter 2006/2007 war es so warm, dass auch die Schneekanonen nicht mehr
nützten. Schon bei der Eröffnung der „schlagkräftigsten
Beschneiungsanlage Deutschlands“ (Pressetext) im Dezember 2006 hatte es
Plusgrade. Das Skigebiet Spitzingsee war für über 10 Mio. € mit Speichersee und
25 neu installierten Schneekanonen an der Suttenabfahrt ausgebaut worden. Aber
nur an zwei Tagen Mitte Dezember konnte „richtig beschneit“ werden – vorher und
danach war es zu warm. Anfang Januar wurden die Lifte an der Suttenabfahrt
sogar abgestellt – wegen zu hoher Temperaturen. Erst Ende Januar kam der Schnee
– natürlich.
Der Klimawandel führt aber nicht nur
zur Erwärmung, sondern auch zu extremeren Wetterereignissen, wie längeren
Wärme- und Trockenperioden auch im Winter oder Starkniederschlägen als Regen
oder Schnee. Die Häufung von Extremereignissen hat sich im Jahr 2006 besonders
deutlich gezeigt: Gewaltige Schneemengen im Frühjahr 2006 hatten die Nutzung
der Skiabfahrten eingeschränkt - die Schneekanonen waren eingeschneit. Im
November und Dezember konnte ebenfalls kaum beschneit werden, da es zu warm
war. Neben der hohen Temperatur war auch der geringe Niederschlag ein Grund,
warum Naturschnee ausblieb.
Nach Klimaprognosen werden solche
Wetterschwankungen immer größer, die Ausreißer in beide Richtungen
extremer. Auch „Jahrhundert-Hochwasser“
kommen immer häufiger. All das spricht gegen den weiteren Ausbau von
Beschneiungsanlagen: Ein intakter Bergwald speichert um bis zu 90% mehr Wasser
als eine Skipiste. Durch den Kunstschnee werden die Schmelzwasserabflüsse im
Frühjahr stark erhöht. Das trägt zu Überschwemmungen bei und schafft die
Sanierungsflächen von morgen. Da Naturkatastrophen an Zahl und Ausmaß
dramatisch zunehmen werden, muss der Hochwasserschutz und der Schutz vor
Steinschlag durch bestockte Bergwaldflächen und reiche Hochlagenvegetation
absoluten Vorrang vor neuen Wintersporterschließungen haben.
Die technischen Eingriffe in die
empfindlichen Berg-Ökosysteme müssen zudem im Hinblick auf die Artenvielfalt
und deren Überlebensmöglichkeiten in Zeiten des Klimawandels besonders kritisch
hinterfragt werden.
Neben ökologischen Schäden führt der
Ausbau der Beschneiungsanlagen auch zu wirtschaftlichen Risiken. Die Konkurrenz
im Tourismus ist hart, in der Branche wird knapp kalkuliert, und gerade die
Winter-Saison muss Gewinne abwerfen. Da die Investitionen für Bau und Unterhalt
von Beschneiungsanlagen sehr hoch sind, will man Ausfälle um jeden Preis
vermeiden. Ob sich die Investitionen lohnen, ist fraglich. Für Beschneiungsanlagen
werden meist keine Wirtschaftlichkeitsberechnungen durchgeführt. Warme
Wintermonate mit stillstehenden Schneekanonen führen unweigerlich zur Verschuldung
von Gemeinden und Skigebieten. Und immer häufiger werden Zuschüsse aus Steuermitteln
gewährt.
„Unternehmen haben das Recht,
Fehlinvestitionen zu leisten. In den Alpen finanziert aber die öffentliche Hand
diese Investitionen häufig mit. Und verzweifelte Erschließungen unberührter
Landschaften zerstören ein Gut, das nicht einigen Wenigen gehört.“ (Andreas
Götz, in: CIPRA INFO 81/2006) – und sie verhindern die notwendige nachhaltige
Anpassung an Klimawandel, Klimaschutz und ein „Masterplan“ für den Winter- und
Sommer-Tourismus im bayerischen Alpenraum.
„Derzeit
wird noch viel zu viel auf Technologie und zu wenig auf einen Strategiewechsel
im Tourismusmarketing gesetzt. Künstliche Beschneiung mag unter gegebenen
Bedingungen für die Betreiber noch wirtschaftlich sein, doch die Anlagen
verbrauchen enorme Mengen an Wasser und Energie und die Beschneiung beeinflusst
Landschaft und Umwelt. Wenn die Temperaturen weiter steigen, dürfte künstliche
Beschneiung weit teurer werden und ab einem bestimmten Niveau nicht mehr
rentabel.“ Dieses Zitat entstammt keiner Pressemitteilung des BN, sondern
der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, Dez.
2006).
Die ökologischen und ökonomischen
Gründe sprechen gegen Schneekanonen. Dies macht die Forderungen, die der Bund
Naturschutz (BN) seit mehr als 10 Jahren vorbringt, aktueller und notwendiger
denn je.
1. Der
Klimawandel in den Alpen
Wissenschaftler des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen haben in ihrem neuesten 4. Bericht im Februar 2007 vor einer Klimaerwärmung um bis zu 6,4 °C bis zum Jahr 2100 gewarnt. In Abhängigkeit vom weiteren Anstieg der Treibhausgase werden die Temperaturen im günstigsten Fall um 1,1 bis 2,9°C, im schlimmsten Fall aber um 2,4 bis 6,4°C global ansteigen.
Der Zeitraum von 1990 bis 1999 war das wärmste Jahrzehnt
seit 1000 Jahren. 11 der vergangenen 12 Jahre sind unter den 12 wärmsten seit
Beginn der Klimaaufzeichnungen Mitte des 19. Jhds. Die letzten Jahre haben das
sehr deutlich gezeigt: 2001 und 2002 waren ungewöhnlich heiß, der Sommer 2003
hat in Europa alle bisherigen Hitzerekorde gebrochen. 2005 war nach einer
Studie der US-Weltraumbehörde das wärmste jemals registrierte Jahr und auch
2006 war ein Jahr der Weltrekorde: die Schneemassen im Frühjahr, die Hitze im
Juli, der heiße Herbst und der schneelose Winter. Und der Winter 2006/2007 war der wärmste in
Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1901 (DWD).
Die global gemittelte Temperatur der Erde ist in den letzten
100 Jahren um etwa 0,8 °C angestiegen, davon allein 0,6 °C in den zurückliegenden
30 Jahren.
Die Kontinente der Nordhalbkugel haben sich in den mittleren
und hohen geographischen Breiten bisher am stärksten erwärmt: In Deutschland
liegt der Temperaturanstieg im 20. Jahrhundert bei +0,9°C, in Österreich bei
+1,1 und in der Schweiz bei +1,4°C.
In
den Alpen stiegen die Temperaturen am stärksten an, die Erwärmung fiel dort in jüngster Zeit ungefähr dreimal so stark aus
wie im weltweiten Durchschnitt (OECD, 2007): um etwa 2°C. Die Temperatur nimmt
dabei in der Höhe schneller zu als in tieferen Lagen und die Temperaturminima
steigen dreimal schneller an als die Maxima: d.h. die Nächte werden wärmer
(BENISTON, HAEBERLI, 1998). 1994, 2000, 2002 und 2003 waren in den Alpen die
wärmsten Jahre der letzten 500 Jahre.
Nach Aussagen von Prof. Dr. Wolfgang
Seiler (Institut für Meteorologie und Klimaforschung (IMK-IFU) der
Helmholtz-Gemeinschaft in Garmisch-Partenkirchen) ist
in Europa bis Ende dieses Jahrhunderts mit einer Temperaturzunahme von bis zu
3° C im Jahresmittel und sogar von 4-5°C im Wintermittel zu rechnen.
Zur Verdeutlichung: 4° C entspricht der Differenz der Jahresmitteltemperatur
zwischen Garmisch-Partenkirchen (720m – 6,5° C) und dem Wintersportgebiet
Kreuzeck (Bergstation auf 1650m – 2,5° C). Mit jedem 1° C Erwärmung verschiebt
sich die Null-Gradgrenze um 150 Höhenmeter nach oben. Die Auswirkungen sind
drastisch und bereits heute zu spüren: Gletscher schwinden, Permafrostböden
tauen auf, die Gefährdung durch Muren nimmt zu. Gleichzeitig soll die jährliche
Niederschlagsmenge um ca. 10% zurückgehen, d.h. damit fällt auch weniger Schnee
(Zu Klimaänderung s. auch: Latif, 2004 und Seiler, 2004, 2007).
Letztlich
nimmt die Schneesicherheit der bayerischen Skisportgebiete drastisch ab und die
verbleibende Skisaison wird deutlich verkürzt. Wegen ihrer
geringen Höhenlage sind die bayerischen Skigebiete besonders vom Klimawandel
betroffen (Abb. 2, 3). Laut OECD-Studie (2007) wird bei einer Zunahme von 4°C
in Deutschland ein einziges Skigebiet noch schneesicher sein.


Ursachen
der Klimaerwärmung und nötige Konsequenzen:
Die globale Erwärmung der unteren
Atmosphäre ist eine Folge des hohen Energieverbrauchs - der Verbrennung der
fossilen Brennstoffe – vor allem Erdöl, aber auch Kohle, Erdgas und alle
Folgeprodukte wie Benzin, Diesel, Kerosin, Koks und Flüssiggas. Jährlich werden
weltweit über 26 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre emittiert –
das sind fast 50 Prozent mehr als Anfang 1970. Das CO2 aus der
Verbrennung der fossilen Energieträger ist für mehr als die Hälfte des
anthropogen verursachten Treibhauseffektes verantwortlich.
Die CO2-Konzentration lag
1880 bei 280 ppm (parts per million) und im Jahr 2005 bei 381 ppm. So hoch war
der CO2-Wert seit mehreren Hunderttausend Jahren nicht. Für das Jahr
2100 rechnet das Max-Planck-Institut für Meteorologie je nach Szenario mit
Werten zwischen 540 und 840 ppm.
Klimaforscher und der Klimabeirat der
Bundesregierung warnen bei ihren Zukunftsprognosen davor, dass eine weitere
Energieverschwendung gravierende Folgen für unser Klima und die Lebenschancen
unserer Kinder haben wird. Deshalb hat sich die Bundesrepublik Deutschland
bereits auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in
Rio de Janeiro 1992 verpflichtet, ihren CO2-Ausstoß bis zum Jahr
2010 um 25% zu senken. Nicht einmal dieses Ziel wird erreicht werden, obwohl
eine Reduktion um mindestens 50-80% nötig wäre, um die schlimmsten Auswirkungen
zu vermeiden.
In den nächsten Jahren wird sich dieser Prozess noch beschleunigen. CO2 und andere Treibhausgasen wirken sich erst mit einer zeitlicher Verzögerung von ca. drei Jahrzehnten auf das Klima aus. Die Alpenregionen bekommen heute die Folgen des CO2-Ausstoßes aus den sechziger und siebziger Jahren zu spüren. Gleichzeitig verursachen wir täglich die Klimaänderung der nächsten 30 Jahre.
Darum ist es dringend notwendig, den
Ausstoß klimawirksamer Gase schnell und drastisch zu verringern.
2. Der Bayerische Ausbau: Mit
Schneekanonen rückwärts in die Zukunft
Vor
diesem Hintergrund ist der ungebrochene Ausbau der Skigebiete mit Beschneiungsanlagen
und neuen Listen absurd und unverantwortlich.
2.1. Ausbau
mit Beschneiungsanlagen
Seit
1992 wurde die künstlich beschneite Fläche in den bayerischen Alpen
verzehnfacht:


Abb. 4: Ausbau der Beschneiungsanlagen
in Bayern in den letzten Jahren
Mittlerweile
umfasst die beschneite Fläche 415,8 ha (eigene Recherchen, nach Auskunft des
Bayerischen Umweltministeriums vom 30.01.2007 werden sogar rund 430 ha beschneit).
Zum Vergleich: 1987 wurden 10 ha, 200: 284 ha und 2005 382 ha beschneit. Der
Trend geht zu großflächiger Beschneiung (Abb. 4, ausführliche Auflistung im Anhang
1) und zur Errichtung von Speicherteichen. Aus der Entwicklung einzelner
Skigebiete ist auch erkennbar, dass in typischer Salamitaktik eine Investition
schnell die nächste nach sich zieht und ganze Skigebiete nach und nach
vollständig beschneit werden (siehe Auflistung Beispiele im Anhang 2).
Erstmals
wurde Kunstschnee in den 1950iger Jahren in USA eingesetzt. Zu Beginn der
1970iger stellte man die ersten Schneekanonen in den österreichischen Alpen
auf, 1976 folgte die Schweiz, und 1987 begann der Einsatz in Deutschland am
Fellhorn im Allgäu.
Als
Begründung für den Ausbau mit
Beschneiungsanlagen in Bayern wird meist die Konkurrenz mit benachbarten
Seilbahnbetreibern und anderen Alpenländern genannt. Tourismusmanager und Seilbahnbetreiber
wollen mit dem Einsatz von Schneekanonen für (sehr) wenige Jahre
Schnee-"Sicherheit" garantieren, obwohl die als „schneesicher“ geltende
Berghöhe ab 1200 Meter schon laufend nach oben korrigiert werden muss. In den
nächsten Jahrzehnten dürften nur noch Gebiete zwischen 1500 bis 2000 Höhenmeter
als schneesicher gelten. (BÜRKI, 2000). Die künstliche Beschneiung im alpinen
Bereich über 1500 Meter verursacht aber besonders gravierende ökologische
Schäden.
Trotz der Klimaprognosen wird die
Kommerzialisierung des Wintersports massiv vorangetrieben. Schnee soll
unabhängig von Wetter und Klima vorhanden sein, die Pisten will man pünktlich
zum Weihnachtsgeschäft präparieren. Wintersport-Großveranstaltungen mit Millionenetats
wie die Skiweltcuprennen werden nicht in die vergleichsweise schneereicheren
Monate Februar/März gelegt, sondern werden nach den Bedürfnissen der
Werbeabteilungen der Sportartikelindustrie, des Fernsehens und des Tourismus
geplant. Die Vorschriften des Skiverbandes FIS zur Schneesicherheit sind trotz
hohem technischem Aufwand und fast unbezahlbarer Investitionen kaum noch mehr
erfüllbar (30-50 cm Schnee-Auflage auf der gesamten Rennstrecke und ausreichende
Bedeckung in den Sturzräumen). „Die Wintersportler
kommen nicht in ein Klimaproblem, sie sind vielleicht schon mittendrin“,
sagt sogar Günter Hujara, der Renndirektor der FIS“. (Süddeutsche
Zeitung-online, 6.12.2006).
Doch anstatt umzudenken, wird der Aufwand, an Schnee zu kommen, immer verrückter:
Für das Hahnenkamm-Rennen im schneelosen Kitzbühel wurden im Januar 2007 rund
2200 Tonnen Schnee vom Großglockner mit LKW und mit Hubschraubern zur grünen
Piste transportiert. 200 Helfer und Bundesheer verteilten den Schnee auf der
Rennstrecke. Allein diese Aktion soll 350.000 Euro gekostet haben. Dann kam der
Sturm „Kyrill“ und blies das teure Kunst-Weiß weg: Das Abfahrtsrennen auf der
„Streif“ fiel aus. Nur zwei Slalomläufe auf einer Alternativpiste fanden statt
- und als Zugabe eine Helikopter-Flugschau. Solche Großveranstaltungen setzen
offenbar alle Klima-, Ressourcen- und Naturschutzbelange außer Kraft. Der Biathlon-Teilnehmer 2007 in Oberhof liefen auf
36.000 m3 „Crush-Eis“ – in Bremerhafen hergestellt und üblicherweise für die
Kühlung von Fisch verwendet. Schneetransporte mit LKW und Hubschrauber von Gebirgsmassiven
in die Skiniederungen – wie in Kitzbühel – oder Schneetransporte aus der
Skihalle auf die Piste sind keine Einzelfälle mehr. Auch für die
Ski-Weltcup-Rennen an der Kandahar (Garmisch-Partenkirchen) im Februar 2007
wurden etwa 3000 m³ Schnee aus dem österreichischen Wipptal eingefahren und
dann mit Hubschraubern auf den Berg geflogen – der Gipfel eines
Machbarkeitswahn. In Ruhpolding gibt es
bereits eine „Schneeübersommerung“: dabei wird „extra geschossener“ Kunstschnee
eingelagert und im nächsten (schneearmen) Winter auf den Renn-Loipen verteilt
(6.000 – 12.000 m3 Kunstschnee) (dpa, 15.1.2007).
Bei Plusgraden in 2000 Metern Höhe ist
auch die modernste Kunstschnee-Technik
wirkungslos. Selbst manchen Sportlerinnen und Sportlern ist das nicht
mehr geheuer: „Es wird immer schwieriger,
Platz für das Training zu finden, es ist viel zu warm. Ich hoffe, die ganze
Welt nimmt dieses Problem und den Umweltschutz endlich umfassend ernst“,
sagt schwedische Slalom-Olympasiegerin Anja Pärson.
Doch immerhin: Der Skiverband FIS
plant, künftig die Weltcups auf wenige Orte zu konzentrieren und die WM ans
Ende der Saison zu verschieben (Financial Times Deutschland, 29.11.2006). Da
werden bayerische Orte wohl kaum dabei sein - egal ob mit oder ohne
Schneekanonen
2.2. Die
Kosten des Kunstschnee-Wahnsinns
Wie
die Erfahrungen der Alpenländer zeigen, sind die Kosten für die Installationen
und den Unterhalt von Schneekanonen und beschneiten Pisten sehr hoch. Pro
Kilometer beschneibarer Piste muss nach Schweizer Berechnungen mit rund 650.000
Euro (1 Mio CHF) gerechnet werden (CIPRA 2004). Alleine die Herstellung von
Kunstschnee kostet 3 bis 5 Euro pro Kubikmeter.
In
den schneearmen Wintermonaten November bis Anfang Januar 2006/2007 wurde z.B.
in hochgelegenen Obertauern 500.000 m3 Schnee (das entspricht 50.000
LKW-Ladungen) mit einem Betriebs-Kostenaufwand von etwa zwei Millionen Euro
verpulvert. Drei Viertel der Wassermenge aus 10 Beschneiungsteichen wurde dafür
verbraucht (Fassungsvermögen: 280.000 m3) (ORF.at, 4.1.2007).
Eine
einzelne Schneekanonen (nicht die ganze Anlage!) kostet etwa 35.000 Euro
(Quelle: ORF.at 16.1.2007). Aber nicht
nur die Schneekanonen selbst, sondern ganze Beschneiungsanlagen, weitere
Planierungen, Speicherseen, Pistenverbreiterungen und der Ausbau der
Liftkapazitäten, um die Anlagen wirtschaftlicher zu betreiben, gehören zur
technischen Aufrüstung der Gebirge und müssen finanziert werden.
In
Österreich wurden in der Saison 2004 176 Millionen Euro in Beschneiungsanlagen
investiert, in Frankreich waren es 60,5 Millionen Euro. Die Schweizerischen
Seilbahnunternehmen müssten rund 1,2 Milliarden Euro in Beschneiungsanlagen
investieren, wollten sie auf einen vergleichbaren Stand wie Österreich kommen
(Cipra 2004).
Die Investitionen und Betriebskosten,
von denen hier die Rede, basieren immer noch auf vergleichsweise moderaten
Energiepreisen. Das wird nicht so bleiben. Mit einer Verknappung der Rohstoffe
und Importproblemen werden auch der Energiepreis steigen – und damit die Kosten
für die Beschneiung.
2.3.
Investitionsspiralen – in die Sackgasse
Zu
den Investitionen in den Kunstschnee kommen weitere Investitionen in neue modernere
Anlagen und Lifte. Damit möglichst viele Skifahrer möglichst lange skifahren,
wurden und werden überall die Kapazitäten der Lifte erhöht (vgl. Anhang 2).
Alle Skigebiete sehen sich in dieser Investitionsspirale gefangen und versuchen
sich gegenseitig mit den besten Angeboten zu überbieten – und das bei stagnierender
Skifahrerzahl, abnehmender Länge der Skisaison und steigenden Temperaturen.
Modernisierungsmaßnahmen und Kapazitätserhöhungen zwingen die Teilhaber schon
heute, ihr Kapital immer weiter aufzustocken. Trotz oder wegen der hohen
Investitionen rechnen sich viele Gebiete nicht mehr. Die Bergbahnen in Bayern
werden immer mehr zu einem finanziellen Risiko für ihre Besitzer. Die Folge
liegt auf der Hand: Finanzierungsprobleme. In Bayern häufen sich die Meldungen,
dass Kommunen trotz ständigen Geldmangels die Investitionen in Skigebiete mitfinanzieren,
oder dass sich keine Investoren mehr finden (Anhang 3).
Sogar
die „Compagnie des Alpes“ (CDA) – größter Skigebietsbetreiber der Welt -
beklagt Einbußen. Die CDA investiert nur noch in rentable Skigebiete mit
garantierter natürlicher Schneesicherheit – aufgrund der Klimaszenarien. Nach
Meinung der CDA erfüllen nur ca. 80 Skigebiete in Europa diese Vorraussetzungen
(Cipra, 12/2001).
Finden
sich aber Investoren für die Millionenteuren Bahnen und Beschneiungsanlagen,
bedingt dies große Abhängigkeiten von Fremdkapital - und hat weitere
Investitionen zur Folge. Vom Kunstschnee
profitieren letztlich nur kapitalkräftige Aktionäre und Großunternehmen wie
Bau- oder Stromkonzerne als Seilbahnbetreiber. „Touristik-Manager werden baden
gehen, wenn sie auf weiteres Wachstum des Wintersport-Geschäfts setzen.“ warnt
Professor Klaus Töpfer, bis Mitte 2006 Vorsitzender der UN-Kommission für
nachhaltige Entwicklung, im November 2006.
Erfahrungen
zeigen, dass auch Subventionen
bestenfalls kurzfristig etwas nützen. „Bergbahnen
auf Geldsuche haben ein großes Handikap. Die Banken stufen sie als risikobehaftete
Branche ein. .. Subventionen nützen den Bergbahnen bestenfalls kurzfristig
etwas. An den fundamentalen Problemen der Branche ändern sie kaum etwas.“
(aus: „Frischer Schnee aus Staatskanonen“ in Tages-Anzeiger.ch, 7.2.2005).
Dazu kommen
noch die enormen zusätzlichen Kosten bei der Durchführung von Veranstaltungen
(s.o.) und die Ansprüche des Profisportes: „Rund
eine Million Euro Mehrkosten wird der Deutsche Skiverband (DSV) zum Saisonende
verbuchen. Diese Summe war und ist nötig, um die Weltcups auf deutschem Boden
(in der schneelosen Saison 2006/2007) zu sichern.“ („Schnee wird zum weißen
Gold“, dpa 15.1.2007).
Die Kosten
stattgefundener Veranstaltungen werden von Sponsoren getragen, die Kosten der
wegen Schneemangels ausgefallener Veranstaltungen bleiben jedoch zum großen
Teil am Veranstalter bzw. an den Gemeinden hängen. Sind die Veranstalter gegen
den Ausfall versichert, steigen die Prämien. Letztlich zahlt also die
Allgemeinheit die Kosten für diese Kunstschneeanlagen.
Früher oder später werden die meisten bayerischen Skigebiete
in ein finanzielles Dilemma geraten. Denn die Konkurrenz mit Skistationen in
den Zentralalpen oder anderen Orten kann wegen der besseren natürlichen
Voraussetzungen ohnehin nicht gewonnen werden.
„Die Klimaänderung
verstärkt die Gefahr, dass der notwendige Strukturwandel der Seilbahnbranche in
ruinöser Konkurrenz endet.“ (Bürki, 2000).
Man
darf gespannt sein, wie sich in Zeiten leerer Kassen und des immensen
Investitions- und Unterhaltbedarfes die bayerischen Schneekanonen rechnen
werden: Meist erfolgen die Investitionen ohne Wirtschaftlichkeitsberechnungen
und ohne Berücksichtigung der Folgelasten. Zudem erhöhen die steigenden
Investitionen auch die Kosten für den Skiurlaub. Die Skifahrer selbst werden
kräftig zur Kasse gebeten, denn die Bergbahnen legen die Kosten um. Familien
mit Kindern können sich diese Art des Skifahrens oft nicht mehr leisten. Der
Trend geht zum kürzeren Urlaub und zum Tagesausflug. Nicht nur die schneearmen
Winter haben den anhaltenden Schwund der Skifahrer verursacht.
All
dies verdrängen offensichtlich die bayerischen Politiker, die nach wie vor auf
Schneekanonen setzen, allen voran der bayerische Wirtschaftsminister Erwin
Huber. Geradezu manisch reiste er im warmen Frühwinter 2006 von eine Eröffnung
von Liften oder Beschneiungsanlagen zur nächsten– als ob er sich persönlich
gegen den Klimawandel stemmen könnte. „Es
reicht nicht, zu Petrus zu beten“ argumentierte Huber, “mutiges Handeln ist das Gebot der Stunde,
ich befürworte Investitionen in Beschneiungsanlagen“. (SPIEGEL 1/2007).
Sein Kollege, der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf hält den Ausbau
tiefer gelegener Skigebiete dagegen mittlerweile ökonomisch und ökologisch für
unsinnig: „Das sind Fehlinvestitionen der Zukunft.“ (SPIEGEL 1/2007).
Allein
in den letzten 10 Jahren wurden für die Modernisierung und Neubau von Aufstiegshilfen
und Beschneiungsanlagen bei den Bundesstützpunkten Ski alpin/Snowboard in
Garmisch-Partenkirchen, Bischofswiesen/ Götschen und Bad Hindelang Landeszuschüsse in Höhe von 691.974 €
ausbezahlt. „Darüberhinaus sind weitere Zuschüsse in Höhe von rund 2,5 Mio. €
in Aussicht gestellt.“ (Drs. 15/5263 Bayerischer Landtag, 2006 auf Anfrage der
Grünen vom 18.10.2005). Davon wurden nur für Beschneiungsanlagen 430.026 € ausbezahlt
und rund 2,44 Mio. € in Aussicht gestellt.
Unter
Federführung des Wirtschaftsausschusses wurde 2005 das bisherige Verbot der staatlichen Förderung aufgehoben. Die
Aussage, wonach staatliche Haushaltsmittel für den „Schneekanonenbereich“ auf
absehbare Zeit nicht zur Verfügung stehen, bezieht sich ausschließlich auf
originäre Landesmittel, jedoch nicht auf Mittel aus EU-Fördertöpfen. Im
Plenarprotokoll 15/28 des Bayerischen Landtages nennt der bayerische
Umweltminister Werner Schnappauf als europäische Förderung die Interreg-Programme
und als Kofinanzierung - die Hälfte der Förderung muss anderweitig aufgebracht
werden - u.a. „kommunale Mittel“. Und weiter „Es gibt aber keine Landesmittel“.
Die Kosten
werden in Zukunft verstärkt an den kommunalen Steuerzahlern hängen bleiben.
Alle
diese Investitionen in die Aufrüstung der bayerischen Skigebiete mit Kunstschnee
und höheren Kapazitäten, mit den Anpassungen an die Schnee-Wettbewerbe – kurz
die engstirnige Fixierung auf den Schnee und den Skisport - binden Geld. Das
wäre aber dringend nötig zur Unterstützung der bayerischen Urlaubsorte in den
Alpen, um sie bei den tatsächlichen Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel und
die Entwicklung eines schneeunabhängigen breiten Winter-Angebotes zu unterstützen.

Abb. 5:
Bayerischer Wirtschaftsminister Huber mit Schneekanonen gegen den Klimawandel
(SZ 16.12.2006)
Exkurs: GATS im Wintersport:
Geben die
Gemeinden ihre Anteile ab, drohen neue Abhängigkeiten: „Dienstleistungsabkommen
General Agreement on Trade in Services (GATS) und Nachhaltigkeit im Wintertourismus.
Gemäß dem
GATS-Abkommen, über dass seit 2000 verhandelt wird, müssen
alle WTO-Mitgliedsländer ihren Dienstleistungsmarkt international öffnen und
inländische Massnahmen so anpassen, dass sie den Marktzugang nicht mehr als
notwendig beschränken. Ausländische Anbieter werden inländischen gleichgestellt.
Mit den GATS-Verpflichtungen im Tourismus öffnen die Mitglieder den Markt für
ausländische Investoren. Vom Tourismus lebende Berggemeinden stehen unter hohem
Druck, für ihre Bergbahnen Geldgeber zu finden. Hier springen immer häufiger ausländische
Unternehmen ein. Ihr Ziel ist Rentabilität, Natur- und Landschaftsschutz sowie
die Selbstbestimmung der Gemeinden haben geringen Stellenwert. Die Tourismusorte
riskieren, in eine Abhängigkeit von internationalen Unternehmen zu geraten.
Vorschriften zur Erhaltung von Naturlandschaften können als
Handelsbeschränkungen gesehen und damit übergangen, bestehende Regelungen
aufgeweicht werden. Unter GATS-Bestimmungen dürfte dies in Zukunft zunehmend geschehen:
Werden einem internationalen Investor Konzessionen gemacht, müssen diese dann
auch anderen Interessenten gewährt werden.“
(CIPRA INFO Nr. 81/Dezember 2006)
Auch wenn dies bevorzugt
für große und hochgelegene Skigebiete gilt, hat sich auch bereits bei uns
gezeigt, dass inländische Investoren Druck ausüben, wie die Neufassung der
„Grundsätze für die Genehmigung von Beschneiungsanlagen“ gezeigt hat. Die
EU-Wirtschaftsvereinbarungen verstärken diesen Trend.
3. Genehmigungspraxis in Bayern
Für die
Errichtung, Aufstellung und den Betrieb sowie wesentliche Änderungen einer Beschneiungsanlage
ist eine Genehmigung nach Art. 59 a des Bayerischen Wassergesetzes (BayWG)
nötig. Die Landratsämter sind die Genehmigungsbehörden.
Für Wintersportprojekte, die nach der Änderungsrichtlinie zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) der
EU 1999 europaweit prüfpflichtig geworden sind, gelten die landesrechtlichen
Regelungen in den einzelnen Bundesländern: „Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung“,
Anlage 1: „UVP-pflichtige Vorhaben", Art. 6f Bayerisches Naturschutzgesetz
(Genehmigung von Skipisten: UVP ab Größe von 10 ha, in Schutzgbieten
von 5 ha) ), Art. 8 Bayerisches Abgrabungsgesetz (UVP bei
Abgrabungen von 10 ha, in Schutzgebieten und Biotopen von 1 ha) + Art. 59a
Bayerisches Wassergesetz + Art. 39 Bayerisches Waldgesetz (Entscheidung des
Bergamtes bei bergrechtlicher Genehmigung). Eine UVP wird nach Art. 59a BayWG
(Bay. Wassergesetz) in Bayern in der Regel erst bei einer Beschneiungsfläche
über 15 ha oder in einer Höhe über 1800 m bzw. in Schutzgebieten schon über 7,5
ha notwendig.
Die Grenzwerte
sind leicht zu umgehen, indem nach und nach Anträge gerade unter dieser Grenze
gestellt werden (z. B. betragen die Rodungen für die Skiweltmeisterschaften in
Garmisch-Partenkirchen an der Kandahar gerade 9,8 ha, Anträge für
Beschneiungsanlagen am Fellhorn lagen knapp unter 15 ha usw.). Damit wird Europarecht ausgehöhlt. Der
BN hat dies bereits mehrfach kritisiert.
Eine Anfrage
der Grünen zur Genehmigungspraxis von Beschneiungsanlagen wurde vom bayerischem
Umweltministerium wie folgt beantwortet: In den letzten 10 Jahren wurden 65
Anlagen genehmigt, bei 2 Anlagen (= 3,1 % der Genehmigungen) wurde eine UVP
durchgeführt (Drs. 15/5263, 2006, Anfrage vom 18.10.2005).
Zunehmend spielen auch die verschiedenen Protokolle der Alpenkonvention eine wichtige Rolle. Insbesondere
durch die Regelungen im Boden-, Verkehrs-, Tourismus- und
Raumordnungs-Protokoll kann wenigstens in Ansätzen bei Erschließungen eine Zusammenschau
der verschiedenen Projekte und ihrer Gesamt-Auswirkungen (von der Bergwaldrodung
bis zur Verkehrszunahme) eingefordert werden. Für Beschneiungsanlagen besonders
wichtig ist Art. 14 Bodenschutzprotokoll, der Eingriffe in labile Böden strikt
untersagt. Die Behörden wenden die Alpenkonvention bisher jedoch äußerst selten
tatsächlich im Sinne einer alpenkonventions-verträglichen Überprüfung an.
Zudem gelten in Bayern „Grundsätze
für die Genehmigung von Beschneiungsanlagen“. Eine Diplomarbeit an der TU
München (KRAUS 2002) hatte aber gezeigt, dass in keinem der 62 untersuchten
Genehmigungsbescheide alle Anforderungen der Bekanntmachung erfüllt worden
waren. Am 8. August 2005 wurden diese Grundsätze aufgrund eines Beschlusses der
Mehrheit im Bayerischen Landtag (CSU) stark verändert, extrem gekürzt und mit
derartig weichen Formulierungen versehen, dass kaum noch ein Fall denkbar ist,
wo sie ein Genehmigungshemmnis darstellen könnten. Auch wenn sie schon bisher
unzureichend beachtet wurden, enthielten sie doch noch einige Schranken, die
nun entfernt wurden. So gelten im Vergleich zur bisher gültigen Fassung „nicht
mehr als ungeeignet“ zum Beschneien z.B.:
-
ökologisch besonders wertvolle Flächen
i. S. des Art. 13 d Abs. 1 des BayNatSchG,
-
Schwerpunktgebiete störempfindlicher
Tierarten,
-
Bereiche mit lückiger Vegetation,
-
erosionsgefährdete und vernäßte Bereiche,
-
sowie Gebiete oberhalb der Baumgrenze.
Auch
das Kernstück der bisherigen „Grundsätze“ fehlt: die Größenbegrenzung der beschneiten
Fläche. Beschneiungsanlagen sollten bisher (zumindest theoretisch) dazu dienen,
einzelne, vorzeitig ausapernde oder abgefahrene Stellen zu beschneien. Heute finden
ausschließlich Vollbeschneiungen anstatt.
Untersuchungen
die früher Bestandteil der Genehmigung waren, werden gar nicht mehr gemacht,
die Umweltverträglichkeit wird in der Regel vorausgesetzt
Von
den verbindlich geregelten Vorgaben will man jetzt zu einer Bewertung des „Einzelfalls“ kommen. Wie soll der
„Einzelfall“ aber ohne verbindliche Genehmigungsgrundlagen verhandelt werden?
Insgesamt ist die Genehmigungspraxis völlig unzureichend. Neben den
viel zu hohen Grenzwerten für die UVP und den schwachen Regelungen der
überarbeiteten „Genehmigungsgrundsätze“ werden etliche Aspekte im
Genehmigungsverfahren überhaupt nicht überprüft, z.B. der Energieeinsatz oder
die Höhenlage – und das angesichts Klimaerwärmung.
Die
Mehrheit des bayerischen Landtages hat sich mit der Lockerung der Genehmigungsgrundsätze
und der Aufhebung des Verbotes der staatlichen Förderung (siehe Kap. 2) nicht
gerade verantwortungsvoll und zukunftsweisend verhalten. Ohne neue Erkenntnisse
und ohne Not wurden der Natur und dem Steuerzahler neue Lasten aufgebürdet. Die
neuen Regelungen dienen allein dem Verband Deutscher Seilbahnen (VDS), der die
alten „Grundsätze“ als Hindernis ansah. In der SZ vom 25.10.2004 wird dazu
Wolfgang Bosch, Chef der Seilbahn- und Liftbetreiber zitiert: „Wir freuen uns narrisch“ und der
SZ-Bericht weiter: „Die Lockerung, da ist
sich Bosch sicher, sei auf Drängen seines Verbandes zustande gekommen.
Tatsächlich hat die Seilbahn-Lobby in den vergangenen zwei Jahren Ministerien
und Abgeordnete massiv bearbeitet, um die rechtlichen und mentalen Barrieren
gegen den Einsatz von Kunstschnee zum Einsturz zu bringen.“ Mit einem für
Natur und Gesellschaft sehr fragwürdigem Erfolg.

4. Kunstschnee – wirklich nur Wasser und Luft ?
Kunstschnee
wird aus Wasser, Luft und Energie produziert. Die Schneekanonen versprühen das
Wasser durch Düsen mit einer großen Luftmenge in feinste Tröpfchen. Ein Teil
des Wassers verdunstet und entzieht der Umgebungsluft die Wärme. So unterkühlt
der größte Teil der Tröpfchen und gefriert. Kleine Eiskristalle und gefrorene
Wasserkügelchen fallen als Kunstschnee zu Boden. Ein Teil der Wassertröpfchen
gefriert aber nicht, sondern sickert durch die Kunstschneedecke. Erst dort
gefriert dieses freie Wasser an undurchlässigen Schichten. Dabei bilden sich
größere, ökologisch äußerst ungünstige Eislinsen. Erst bei Lufttemperaturen
unter minus 3 0C, weniger als 80 Prozent Luftfeuchtigkeit und einer
Wassertemperatur von 2° C soll Kunstschnee erzeugt werden (LEICHT 1993). Die
optimale Beschneiungstemperatur liegt bei Minus 11°C.
4.1.
Technische Infrastruktur
Zur
maschinellen Produktion von Schnee werden umfangreiche technische Einrichtungen
benötigt: Wasserfassungen, Entnahmebauwerke, Pump- und Kompressorstationen, Meteostationen,
Speicherteiche, Kühltürme, Stromversorgungseinrichtungen, meist unterirdisch in
Gräben verlegte Rohrsysteme für Wasser- Druck- und Stromleitungen sowie
Zapfstellen entlang der Pisten, an denen die einzelnen Schneekanonen
angeschlossen werden. Massive Betonschächte an den Pistenabschnitten (alle
50-100m) bilden die Verbindung zwischen Strom-, Wasser- und Datennetz sowie den
Schneekanonen. Der Schacht wird beheizt. Auf dem Schacht steht der ganzjährig
fest installierter „Elektrant“ - der Zapf-Anschluss für die Schneekanone. Die
Schneekanonen selbst können fest montiert oder saisonabhängig installiert
sein.
zur
Kunstschneeerzeugung werden zwei
verschiedene Systeme verwendet:
Hochdruckanlagen versprühen
das Wasser unter Druck. Diese Anlagen können halb- oder vollautomatisch und von
Hand gesteuert werden. Der Druck wird in einer Basisstation erzeugt und über Druckleitungen
verteilt. Hochdruckkanonen verbrauchen viel Energie und sind sehr laut (max.
115 dB(A), zum Vergleich: eine Hörgefährdung bei Menschen tritt bereits ab 85
dB(A) auf).
Mit
Niederdruckanlagen, so genannten
Propellerkanonen, wird das Wasser über Ventilatoren in die Luft gesprüht. Es
sind keine Druckluftleitungen notwendig, die Anlagen sind leiser (von 60 bis 70
dB(A)). Dafür werden neben Wasser- auch Stromzuleitungen gebraucht. Neuere
Anlagentypen ("Silent" und "Super Silent") sind leiser (45
- 50 dB/A), aber wesentlich teurer.
Sogenannte
Schnei-Lanzen blasen den Schnee am
Düsenkopf über ca. 12 m lange Lanzen aus. Das Prinzip ist einer Niederdruckkanone
ähnlich.
Der
Trend geht zu großen vollautomatischen Anlagen (Hochdruck oder Niederdruck) mit
„multipler Zuschaltung“ verschiedener
Schneekanonenmodelle, wie z.B. Hochleistungsturbinen für große „Wurfweiten“ (
„M20: High Performance Gun“ - hier ist der Name die Idee): „Die Praxis hat
gezeigt, dass die Automatisierung gesamter Anlagen die einzige Möglichkeit
darstellt, um bei immer schwierigeren Voraussetzungen die maximale Schneeproduktion
zu erreichen“ (aus: TechnoAlpin-Werbetext).
4.2. Energie
Der
bisherige Energieeinsatz beträgt 0,2 bis etwa 2,8 kWh pro Quadratmeter Beschneiungsfläche,
das entspricht 2.000 bis 27.000 kWh (im Durchschnitt 13.000 kWh) pro Hektar
Beschneiungsfläche. Beim Energieverbrauch bestehen große Unterschiede je nach
System, Standort, Wasserbeschaffung und Klimabedingungen. Große Anlagen mit
mehreren Schneekanonen verbrauchen bis über 500.000 kWh pro Saison. Zum
Vergleich: Ein Vierpersonenhaushalt verbraucht zwischen 3000 und 7000 kWh im
Jahr.
Neue
Schneekanonenmodelle arbeiten zwar energieeffizienter, aber mit der Erweiterung
bestehender und dem Ausbau neuer Schneekanonenanlagen, mit der Beschneiung ganzer
Pisten und dem Anstieg der Einsatzdauer nimmt der Gesamt-Energieverbrauch stark
zu.
Durch
den Klimawandel werden die Zeitfenster zur Schneeerzeugung immer kleiner: d.h.
es muss in immer kürzerer Zeit immer mehr Schnee gemacht werden. Damit wird
nicht nur im Grundlastbereich der Energieversorger/Kraftwerke beschneit,
sondern auch im Spitzenlastbereich. Das ist noch teurer und noch
unökologischer.
Für
die Tiroler Wasserkraftwerke TIWAG zählen Schneekanonen-Anlagen hinsichtlich
der Charakteristik ihres Einsatzes zu den ungünstigsten Stromverbrauchern. Sie
laufen nur in kalten und energieintensiven Wintermonaten: ,,Außerdem wird
hochwertiges und zur Stromerzeugung dringend benötigtes Winterwasser wieder in
Schnee zurückverwandelt, um dann letzten Endes zu einer Zeit, in der das
Wasserangebot ohnehin hoch genug ist, wieder als Schmelzwasser zur Verfügung zu
stehen." (UMWELTBUNDESAMT ÖSTERREICH 1992).
Nach
Berechnungen der CIPRA International lag der Gesamtenergieverbrauch der Schneekanonenanlagen
im Alpenraum 2002 bei einer Gesamtbeschneiungsfläche von 23.800 ha bei etwa 600
GWh pro Saison. Das entspricht in etwa dem Stromverbrauch von 130.000
Vier-Personen-Haushalten pro Jahr (vgl. auch „Künstliche Beschneiung im Alpenraum“,
alpmedia Hintergrundbericht/Dezember 2004, S. 5). Aktuell beträgt die Gesamtbeschneiungsfläche
ca. 31.000-36.000 ha alpenweit.
Das
läuft allen Energiesparappellen und den Klimaschutzzielen nach dem Kyotoprotokoll
zuwider.
4.3. Wasser
Mit
1000 Litern (=1 m³) Wasser können durchschnittlich 2 bis 2,5 m³ Schnee erzeugt
werden. Für die Grundbeschneiung von 1
ha Piste werden mindestens eine
Million Liter bzw. 1000 Kubikmeter Wasser benötigt (CIPRA). Die sogenannten
„Nachbeschneiungen“ erfordern noch einen deutlich höheren Wasserverbrauch, bis
zu 4 Mio. Liter pro Saison.
Der
Wasserverbrauch liegt bei 200 bis 600 Liter/ m² Beschneiungsfläche pro Saison
für die so genannte ,,Grundbeschneiung". Die Grundbeschneiung sind in der
Regel ca. 30 cm und mehr Schneeauflage. Die so genannte „Nachbeschneiungen“
erfordert noch einen deutlich höheren Wasserverbrauch.
Nach
Angaben der CIPRA wurden 2002 für etwa 23.800 Hektar beschneibarer Pistenfläche
im Alpenraum bei o.g. Wasserverbrauch jährlich rund 95 Mio. m³ Wasser für Kunstschnee
benötigt (entspricht dem Wasserverbrauch einer Stadt mit 1,5 Millionen Einwohnern
pro Jahr). Aktuell beträgt die Gesamtbeschneiungsfläche ca. 31.000-36.000 ha alpenweit,
d.h. auch der Wasserverbrauch ist entsprechend gestiegen.
Das
Wasser wird Fliessgewässern, Quellen,
Grundwasser oder auch der Trinkwasserversorgung entnommen. Bei starkem Frost
ist in der Natur das freie Wasser weitgehend gebunden, Bäche und Quellen haben
Niedrigwasser, die ökologischen Folgen weiteren Wasserentzuges sind am größten.
Da
Grund- und Quellwasser eine zu hohe Wassertemperatur haben muss das Schneiwasser in Kühltürmen
vorgekühlt werden.
Künstliche
Beschneiungsteiche sollen den hohen Wasserverbrauch bevorraten.
"Teichwirtschaft" in
Garmisch-Partenkirchen:
Nachdem das Wasser aus den alten Trinkwasserquellen von Garmisch und dem Hammersbach bei Grainau zum Beschneien der immer größeren Flächen nicht ausreicht, wird das Wasser zum Beschneien aus Speicherteichen entnommen. Im Jahr 2000 wurde der erste Speicherteich in einer Höhe von 1250 m und einem Fassungsvermögen von 42.000 m³ gebaut. Dieser Weiher läuft im Lauf des Sommers langsam voll Wasser. Wird es kalt und kann mit Volllast beschneit werden, ist er nach zwei Tagen fast leer und das Wasser muss vom Tal herauf gepumpt werden. Die weitere Vergrößerung der Beschneiungsflächen machen für das Jahr 2007 den Bau eines weiteren Speicherteichs in der Nähe des Garmischer Hauses in 1350 m Höhe mit einem Fassungsvermögen von 62.000 m³ notwendig. Das Wasser für diesen Teich wird vom Tal in den unteren See gepumpt, von dort dann weiter in den neuen Teich auf 1350 m Höhe. Von hier aus werden dann die Horn- und die Drehmöserabfahrt bis ins Tal hinab beschneit. Da eine Vollbeschneiung circa 170.000 m³ benötigt, ist zu befürchten, dass bei weiterer Klimaerwärmung der Bau eines weiteren Sees notwendig wird, da die Beschneiung in immer kürzerer Zeit, in der die Temperaturen niedrig genug sind, erfolgen muss. Dieses Wasser wird über mehrere Etappen vom Tal herauf gepumpt, was die Energiebilanz der Schneekanonen weiter belastet.
4.4. Beschneiungs-Zusätze
Snomax (Pseudomonas syringae) –
noch - verboten
In
den USA und in einigen Alpengebieten werden dem Wasser inaktivierte und
gefriergetrocknete Bakterien (Pseudomonas syringae) als Kristallisationskeime
zugesetzt, um auch schon bei höheren Temperaturen beschneien zu können
(ROCHLITZ 1989). Die Bakterienreste werden als Pulver dem Beschneiungs-Wasser
beigemischt und dann versprüht. Pseudomonas syringae ist ein pflanzenpathogenes
Bakterium. Über die gesundheitlichen Gefahren für Menschen weiss man nicht
viel. Nicht alle Bakterien im Beschneiungswasser sind abgetötet. Die Keime
können im Frühjahr bei der Schneeschmelze auf die Vegetation, in das
Schmelzwasser und damit auch in Quellen oder in das Grundwasser gelangen. Der
Einsatz ist bisher in Deutschland wegen der nicht auszuschließenden Risiken
verboten.
Bisher
gilt noch eine Art „Reinheitsgebot“ für Kunstschnee. Jetzt flammt die
Diskussion um künstliche Zusätze auf, um das Beschneien auch bei höheren
Temperaturen möglich zu machen. Der Kurdirektor von Garmisch-Partenkirchen wird
in der Bild-Zeitung zitiert: "Wir brauchen das wegen der ausländischen
Konkurrenz“.
Chemikalieneinsatz bei
Wintersportveranstaltungen
Kunstdünger
setzen den Gefrierpunkt von Schnee herab und werden als Schneehärter auf Kunstschneepisten
vor allem bei Wintergroßveranstaltungen eingesetzt. Skipisten können so trotz
hoher Temperaturen befahrbar gemacht werden. Die Verwendung von Kunstdünger zur
Pistenpräparation ist gängige Praxis.
Um
das Schweizer Lauberhorn-Rennen im Januar 2007 möglich zu machen, streuten die
Verantwortlichen 1,4 Tonnen Ammoniumnitrat (mit einem Stickstoffanteil von 35
Prozent) auf die Kunstschneepiste. Die eingesetzte Menge hat allerdings sowohl das
schweizerische Bundesamt für Umwelt (BAFU) als auch Landschafts- und
Naturschützer alarmiert. In der Landwirtschaft wären solche Mengen (pro Fläche
und Zeit) nicht erlaubt. Jetzt sollen alle Schweizer Skigebiete untersucht
werden, ob und wie stark die Skipisten mit chemischen Hilfsmitteln behandelt
werden, und wie sich diese Stoffe auf die Umwelt auswirken.

Abb. 6: Beschneiungsteiche in Garmisch-Partenkirchen
(links, Foto: Doering) mit Bergwaldrodung, und in Hindelang (rechts) und
am Stümpfling (unten, Foto: Hamberger) mit Bergwaldrodung


5.
Schneekanonen und ihre Folgen
Technische
Eingriffe in die empfindlichen Berg-Ökosysteme müssen im Hinblick auf die Artenvielfalt
und deren Überlebensmöglichkeiten in Zeiten des Klimawandels besonders kritisch
hinterfragt werden.
Die
Alpen gelten noch immer als ökologisches Kleinod, als „ökologische
Ausgleichsfläche“ inmitten des dicht besiedelten und industrialisierten
Mitteleuropa. Jetzt kommt den alpinen Höhenlagen auch noch eine besondere
Bedeutung für die Erhaltung der Artenvielfalt in Zeiten des Klimawandel zu: Im
Zuge der Klimaerwärmung werden empfindliche Pflanzen entlang des
Höhengradienten in den Gebirgen nach oben wandern.
Die
Pflanzen- und Tierwelt der Alpen reagiert
bereits auf den Klimawandel: Die Alpenflora
steigt immer schneller bergauf. Vor allem konkurrenzstarke Arten wandern nach
oben, während die rare und hoch angepasste Hochgebirgsflora in Bedrängnis
gerät. Schätzungen gehen davon aus, dass von 400 endemischen (nur hier
vorkommenden) Pflanzenarten der Alpen ein Viertel vom Aussterben bedroht ist.
(GRABHERR, 2001). Zusätzliche Störungen und Geländeeingriffe wirken sich
verhängnisvoll aus.
Der Skipistenausbau mit Planierungen,
Schneekanonenanlagen und Infrastruktur (Lifte, Seilbahnstationen, Restaurants
etc) führt in den alpinen Hochlagen zur Zerstörung der wertvollen ökologischen
„Klima-Ausgleichsflächen“ und sowohl der Kunstschnee als auch das Wasser aus
Schneekanonen verändert und vermindert die Artenzusammensetzung und –Anzahl
(s.u.).
Nach den Klimaprognosen werden vor
allem natürliche feuchte und kühle Standorte abnehmen, Trockenstandorte
hingegen zunehmen. Standortänderungen hin zu mehr Trockenheit werden durch die
Eingriffe für skitouristische Anlagen gefördert und sogar ausgelöst, z.B. durch
die stärkere Einstrahlung (Pisten statt Wald und dichter Bodendeckung) und die
Bodenverdichtung. Im Frühjahr wird mehr Wasser in die Hänge eingebracht, dass
aber sehr schnell abfließt.
Auch
das klimabedingte Höhersteigen des Bergwaldes wird durch die Anlage von Skipisten
und das Aufreißen ganzer Hänge für Schneekanonenleitungen behindert.
5.1. Direkte
Folgen durch die Baumaßnahmen
Der
Bau der umfangreichen Beschneiungseinrichtungen und das Verlegen von Wasser-,
Luft- und Stromleitungen in tiefen (frostfreien) Gräben erfordern massive
Geländeeingriffe mit schweren Baumaschinen. Mit der Pistenbeschneiung ziehen
sich diese Bauarbeiten vom Tal- bis zur Bergstation hinauf. Felssprengungen und
der großflächige Verlust von Vegetation, Humus-Schicht und Bodenleben sind die
Folgen. In der empfindlichen Gebirgswelt ist es fraglich, ob sich die
Vegetation und der Boden nach diesen Eingriffen regenerieren können.
Da
sich planierte Pisten besser beschneien lassen, zieht der Bau von
Beschneiungsanlagen in der Regel zusätzliche
Pisten-Planierungen nach sich. Pistenplanierungen stellen aber einen
weiteren schwerwiegenden Eingriff dar. Auch hierbei stellen sich massive Probleme
bei der Rekultivierung. In den Untersuchungen zu Schneekanonen heißt es dazu:
In Analysen der Skipistenvegetation zeigt sich, dass der Faktor „Planierung den
größten Einfluss auf die Skipistenvegetation ausübt.“ Die Schäden durch den Bau
der Beschneiungsanlagen werden damit heruntergespielt. Das unterstreicht die
Forderung nach einem Gesamtkonzept für Skigebiete.
5.2. Direkte
Folgen durch den Betrieb
Eine
"Grundbeschneiung" erfolgt bei Minusgraden schon ab Anfang November.
Die Kunstschneedecke wird so dick wie möglich aufgebracht, da ungewiss ist, ob
und wie viel Naturschnee fallen wird.
Der
künstliche "Schnee" hat eine andere Kristallstruktur als natürlicher
Schnee. Er ist kompakter, luftundurchlässiger und weniger wärmedämmend als
Naturschnee. Je mehr freies Wasser im Kunstschnee enthalten ist, umso größer
ist seine Dichte. Kunstschnee kann bis zu viermal schwerer als Neuschnee und
auch schwerer als präpariertem Schnee sein (UMWELTBUNDESAMT ÖSTERREICH 1992).
Auch
Kunstschnee wird gewalzt und präpariert, was ihn noch dichter und härter macht.
Schnee auf künstlich beschneiten Pisten ist um 5 bis 30 % dichter als Schnee
auf konventionell präparierten Naturschneepisten (NEWESELY, 1997). Häufig wird
eine Depotbeschneiung (das Beschneien auf Vorratshügel) vorgenommen, die erst
nach und nach verteilt wird. Kleine Tälchen und Wäldchen werden durch die
Kunstschneehaufen verfüllt. Der Depotschnee wird mit schweren Pistenraupen auf
dem Gelände verteilt. Pistenraupen und Zusatzgeräte wie Walzen, Glättbrett und
Fräse glätten und verdichten die Schneedecke und tragen Buckel ab. Setzt man die Fahrzeuge bei niedriger
(Kunst)Schneeauflage, nassen Böden oder Plusgraden ein, werden die Vegetation
und der Boden bis in mehrere Zentimeter Tiefe beschädigt. Bei Schneemangel kratzt man die Schneereste
zusammen, wobei an den Waldrändern der aufkommende Jungwuchs geschädigt und
zerstört wird, und ausapernde Pisten werden bis zuletzt befahren, was zu
weiteren Schäden an Bodenstruktur und Vegetation führt.
a)
Wasserhaushalt
Für
die Beschneiung entzieht man dem Naturhaushalt große Mengen Wasser zu einem
ökologisch sehr ungünstigen Zeitraumes: in extrem wasserarmen Zeiten bei Frost.
Die Wasserentnahme ist dann am höchsten, wenn die Kanonen mit Volllast
beschneien können, d.h. bei Temperaturen unter minus 11 °C (WECHSLER,
Schneeanlage Kandaharabfahrt, Kreuzeck Osterfelder Bahn). Bei so starkem Frost
ist in der Natur alles freie Wasser gebunden, Bäche und Quellen haben ihr
Niedrigstwasser.
Bei der
Wasserentnahme aus kleineren Flussläufen oder Bächen, auch aus Speicherteichen besteht die Gefahr, dass Gewässerorganismen
durch die Senkung des Wasserstandes, das Trockenfallen der Uferstreifen oder
sogar des gesamten Bachlaufes getötet werden. Die Missachtung der behördlich verfügten
Auflagen, z.B. von Restwassermengen, ist in den meisten Fällen schwer
nachzuweisen. Sogar die Trinkwasserversorgung kann im Einzelfall durch hohe
Entnahmemengen gefährdet werden.
Ein weiteres
Problem stellt die chemische Zusammensetzung des Wassers dar. Selbst sauberes Quell-
und Trinkwasser enthält wesentlich mehr Mineralstoffe als Regen oder Schnee und
führt zu unerwünschten Düngeeffekten. Die Wasserentnahme aus Flüssen und Bächen
birgt zusätzlich die Gefahr der flächenhaften Ausbringung von Schadstoffen und
Krankheitserregern. Nicht nur Vegetation und Boden, sondern auch Quellen und
Grundwasser können davon betroffen sein (CERNUSCA 1992, UMWELTBUNDESAMT
ÖSTERREICH 1992).
Die „Rückgabe“
des Wassers erfolgt im Frühjahr, wenn ohnehin Wasser im Überfluss vorhanden
ist. Durch die künstliche Beschneiung kommt es zu einer zusätzlichen Erhöhung
der Gesamtmenge des Schmelzwassers von 360 Litern pro Quadratmeter mit
vielfältigen ökologischen Folgen (CIPRA 2004).
Das
Wasserspeichervermögen von Pisten- und Beschneiungsflächen ist durch die Bodenverdichtung
viel geringer. Damit erhöht sich der Oberflächen-Abfluss der Niederschläge und
des Schmelzwassers um ein Vielfaches gegenüber ungestörten Hangbereichen.
Es kann zu
hydrologischen Belastungen von Ökosystemen und Biotopen kommen, deren Wasserhaushalt
bereits gestört ist oder deren Störungsanfälligkeit besonders hoch ist - wie
labile geologische Schichten, z.B.
Flysch. Moore und Feuchtbiotope im Beschneiungsbereich sind akut
bedroht.
Bestehende
Hangwasserprobleme im Unterhang vieler Pisten werden verstärkt. In den
vernässten Hängen wird die Rutschungsgefahr größer. Örtlich kann es zu einer
Zunahme von Erosionen kommen.
Die
Speicherteiche erhöhen das Risiko. Schon die Bauarbeiten greifen massiv in den
Wasserhaushalt der Berghänge ein: Die dafür benötigten (einigermaßen) ebenen
Flächen sind in Hangbereichen selten. Oft befinden sich hier schützenswerte
Feuchtflächen. Undichte Stellen führen zur Überschwemmungs- und Erosionsgefahr
für die darunter liegenden Bereiche.
b) Flora
Das
Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF kommt aufgrund seines
dreijährigen Forschungsprojektes u.a. zu den folgenden Resultaten:
·
Auf Kunstschneepisten liegt im
Durchschnitt ein Meter mehr Schnee als auf Naturschneepisten. Da Kunstschnee deutlich dichter ist, enthält
die Kunstschneepiste doppelt so viel Wasser wie diejenige auf
Naturschneepisten.
·
Das Kunstschnee-Schmelzwasser enthält
viermal mehr Mineralien und Nährstoffe als natürliches Schmelzwasser. Als Folge
davon nehmen Zeigerarten für höhere Nährstoff- und Wasserversorgung zu.
·
Da der Kunstschnee etwa zwei bis drei
Wochen länger liegen bleibt, verzögert sich das Pflanzenwachstum. Als Folge
davon kommen Frühblüher seltener und Arten, die typischerweise an Orten mit
sehr später Ausaperung wachsen (sogen. Schneetälchenarten), häufiger vor.
·
Auf präparierten Skipisten kommen 11
Prozent weniger Pflanzenarten vor als auf angrenzenden Wiesen. Besonders
verholzende Pflanzen und Frühblüher sind weniger zahlreich vertreten. Bei den
verholzenden Pflanzen sieht die Bilanz auf präparierten Naturschneepisten noch
schlechter aus als auf Kunstschneepisten.
· Grundsätzlich war auf allen Pisten – sowohl Naturschnee- wie Kunstschneepisten – die Diversität an Arten und Produktivität im Vergleich zu ungestörten Kontrollflächen verringert. (WSL, 200/SLF Davos, 2002)
Als Mindestvoraussetzung sollte nach
wissenschaftlichen Untersuchungen die standortheimische Vegetation
(Blütenpflanzen) 80 Prozent Deckungsgrad aufweisen und eine ausreichend gute
Durchwurzelung des Bodens gewährleistet sein. Dies ist nur auf wenigen Pisten
gegeben (CERNUSCA u.a. 1992).
Die
Auswirkungen der Kunstschneedecke auf die darunter liegende Vegetation können
in talnahen Lagen mit landwirtschaftlich genutzten Grünflächen, die mit meist
gedüngten, nicht spezialisierten und häufig vorkommenden Pflanzengesellschaften
bewachsen sind, vergleichsweise gering sein (MOSIMANN, HEGG, KAMMER 1991,
CERNUSCA 1992). Artenreiche Wiesen, Trocken- und Magerrasen und Feuchtflächen
werden in allen Höhenstufen durch den Bau und den Einsatz von Schneekanonen
gravierend geschädigt (KAMMER u. HEOG 1989, HOLAUS u. PARTL 1994).
Das
Artenspektrum in Hochlagen reagiert besonders empfindlich. Ein
drastischer Rückgang der Artenvielfalt ist die Folge (KAMMER u. HEGG 1989,
MOSIMANN u.a. 1991, CERNUSCA 1992). Die Artenzusammensetzung der Kleintierwelt,
der Flora und Bodenfauna verändert sich hin zu "Generalisten"
(TROCKNERu. KOPESZKI 1994). In den höheren
Lagen ist die Vegetation extrem an Standort und Klima angepasst. Sie ist meist
tiefwurzelnd und erosionshemmend und kommt mit wenigen Nährstoffen aus. Wegen
der kurzen Vegetationszeit wächst sie außerordentlich langsam mit entsprechend
geringem Regenerationsvermögen. Die Regenerationsfähigkeit wird durch die zusätzlich
verkürzte Vegetationszeit, hervorgerufen durch die Kunstschneedecke, weiter
eingeschränkt. Unter dem dichten Kunstschnee, besonders bei Eisbildung, leiden
die Pflanzen unter Sauerstoffmangel, das kann zu Schneeschimmel-Befall und zu
Fäulnisprozessen führen. Durch den Sauerstoffmangel können die Pflanzen
frostempfindlicher werden (CERNUSCA 1997). Sie erfrieren dann bei Temperaturen,
die ihnen normalerweise nicht schaden.
Über
die empfindliche Vegetation in den höheren Lagen schreibt die Tiroler Landesregierung
im „Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramm 2005“ (Erläuterungsbericht):
„Im Vergleich zur Kulturlandschaft nimmt im
alpinen Bereich die Artenzahl zugunsten weniger, dafür aber spezialisierter
Arten mit langen Anpassungszeiträumen an den extremen Standort ab. Die Toleranz
in Bezug auf deren Beeinträchtigung dürfte daher sehr gering sein, bekanntlich
sind auch die Rekultivierungszeiträume bei alpinen Pflanzengesellschaften sehr
lange, sofern eine Wiederherstellung überhaupt möglich ist“.
Untersuchungen aus der Schweiz belegen,
dass sich viele planierte Ski-Hänge trotz Wiederbegrünung innerhalb von 30
Jahren nicht erholt haben.
Im
Bereich des Bergwaldes vermindern die Beschädigungen der Baumwurzeln
durch die Bauarbeiten die Stabilität der randständigen Bäume und angrenzender
Waldbestände. Die Schneisen, die für Lifte und Pisten in die Waldbereiche
geschlagen wurden, schwächen die umliegenden Bestände ohnehin und machen sie
anfälliger für Windwürfe, Rindenbrand und andere Witterungseinflüsse. Die Waldbereiche
werden trockener und Uferbereiche von Bergbächen oder Seen können durch die
Wasserfassungen zerstört werden.
Die gerodeten Bergwald-Flächen tragen
zu Überschwemmungen bei.
Während der Beschneiung wird der
Kunstschnee oft kilometerweit verweht. Die Verwehungen in die angrenzenden
Waldbereiche und das Anschneien der Randbäume kann zu Schneebruch führen;
Zweige werden abgerissen und Baumwipfel beschädigt. Der Eintrag von Kunstschnee
in das angrenzende Waldgelände führt zu einer Anreicherung von Nährstoffen, die
durch das in den Waldbereich abgeleitete Hangwasser noch verstärkt wird. Die
verspätete Ausaperung kann zu einer Beeinträchtigung der Waldentwicklung und
der Naturverjüngung führen, was sich besonders in der subalpinen Waldstufe
wegen der ohnehin verkürzten Vegetationszeit gravierend auswirkt
(HINTERSTOISSER 1990).
Für
Pistenverbreiterungen und zusätzliche Flächen
wie Speicherteiche und Aushubdeponien wird auch Bergwald gerodet. Der „Bergwaldbeschluss“
des Bayerischen Landtags vom 5.6.1984 - „im Bergwald (sind) Rodungen für neue
Freizeiteinrichtungen (z.B. für Wintersport) grundsätzlich nicht mehr
zuzulassen“ - wird dabei faktisch außer Kraft gesetzt.
Eingriffe in die Biodiversität
alpiner Ökosysteme sind in Zeiten des Klimawandels daher besonders kritisch zu
hinterfragen.
c) Fauna
„Die
Folgeeffekte der Störungen durch Licht, Lärm und Beunruhigung in der Nähe der Anlagen
können zu einer Verinselung und Verkleinerung von Lebensräumen, und damit zu
Reproduktionsproblemen und Isolationseffekten mit genetischen Veränderungen
führen.“ (LfU, 2000).
Birkwild und Auerwild sind wie viele
andere Tierarten im Winter auf Ruhe und Energieeinsparung eingerichtet. Der
Lärm und die Betreuung der Beschneiungsanlagen, die durch das Personal Tag und
Nacht erfolgen muss, sowie die Nachtbeschneiung mit Beleuchtung führen zu
intensiven Störungen. Das kann das Überleben vieler Arten auf Dauer gefährden.
Bei Rotwild kommt es möglicherweise zu
verstärkten Verbiss-Schäden, da gerade in der Übergangszeit der Zugang zu den
Fütterungen und Einstandsgebieten abgeschnitten wird. Die extreme Zerschneidung
der Lebensräume ab Beginn der "Notzeit" - Mitte November bis Anfang
März - tut ein Übriges. Die gewohnten Ruhezeiten für die Natur entfallen.
Die Speicherbauwerke und Speicherseen
für das Beschneiungswasser können wegen des stark schwankenden Wasserspiegels
zu Amphibienfallen werden. Die Teiche locken Amphibien zum Überwintern an. Wenn
das Wasser bei Frost für das Schneemachen verbraucht wird, werden diese Seen
zur tödlichen Falle.
d)
Landschaftsbild
Der
Bau der Skiabfahrten, der Planierungen, der Speicherteiche und die für
Materialtransporte notwendigen Lkw-Fahrten machen den ganzen Berg zur
verlärmten Großbaustelle. So mancher Gast, der das einmal miterlebt hat, kommt
nicht wieder.
In
hochgelegenen Schigebieten überwachsen die Baustellen auch nach Jahren nicht.
Die Begrünungsmaßnahmen wirken künstlich, da sie nur selten mit
standorttypischen Pflanzenarten durchgeführt werden. Eine Rekultivierung bleibt
lückig, ist hier nur mit hohem Aufwand und ungewissem Ausgang möglich. Das
beeinträchtigt die Natur und den Naturgenuss.
Die dauerhafte
„Möblierung“ der Landschaft durch die Infrastruktur der Beschneiungsanlagen und
Abfahrten mit fest installierten Zapfstellen, Pumpstationen und Kühltürmen
sowie die Beschädigung und Einebnung der Gebirgsvegetation fallen vor allem im
Sommer unangenehm auf. Der Ausbau der Skigebiete mit Beschneiungsanlagen
schadet damit dem Sommertourismus, da das Landschaftsbild stark
beeinträchtigt wird. So rentiert sich die Hausbergbahn im Classic-Skigebiet von
Garmisch-Partenkirchen im Sommer nicht mehr und ist geschlossen: ihr
Einzugsgebiet ist durch Skiinfrastrukturen besonders belastet. Hier werden die
Voraussagen wahr, dass nur eine intakte Umwelt dauerhafte Grundlage für den
Sommer – und mit dem Klimawandel auch im Wintertourismus - sein kann.
Tourismuskonzepte, in denen sich die
Natur an den Menschen anzupassen hat, können auf Dauer keinen Erfolg haben.
Investitionen in „harte“ Wintersporteinrichtungen ziehen immer neue, noch härtere
Investitionen nach sich, die auch bei Einbeziehung der ,,Rentabilität auf
Umwegen" (sprich Subventionen) immer unwirtschaftlich sind. Sie verursachen
oder verstärken bereits vorhandene touristische Monostrukturen. Allen Monostrukturen
aber ist eines gemeinsam: Sie brechen nach einer Zeit scheinbarer Blüte zusammen.
Die
Bayerischen Wintersportorte werden zu den Verlierern des Wettbewerbs um
Schneesicherheit gehören. Der Konkurrenz mit den hochgelegenen österreichischen
oder mit den Schweizer Skigebieten wird man auch mit Schneekanonen in Bayern
nicht trotzen können.
Was also tun?
Prinzip
Hoffnung: Immer weiter so – und schnell noch rausholen was geht?
Die Bedingungen
gegenüber früher verschlechtern sich noch weiter, weil man für immer mehr kunstbeschneite
Flächen in immer kürzerer Zeit immer mehr Schnee produzieren will. Und das in
einer Umwelt, die sich rasant erwärmen und verändern wird. Und das für eine
Zielgruppe (Skifahrer), die ständig kleiner wird.
Mit
technischer Aufrüstung gegen den Klimatrend, solange die begrenzte Energie
reicht?
Und alles nach
dem Motto: Was nichts kostet, ist auch nichts wert? Das „All inclusive“-Angebot üblicher
Wintersportorte ist zu austauschbar, zu abgesehen und gleichgemacht – und auch
deshalb bedroht. Die Einstellung, "ich habe ein Recht auf Schnee",
bringt auf Dauer nur Misserfolge. Anziehungskraft kann nicht aus der
Schneekanone kommen. Die hohen finanziellen Kosten verlangen bei immer größeren
beschneiten Flächen eine gewaltige Gäste-Steigerung. Das erzwingt wiederum
höhere Kapazitäten bei Seilbahnen und Liften, genauso wie bei Parkplätzen und
Zufahrten.
Die Folgen
sind mehr Tages-Gäste, mehr Autoverkehr, mehr Luftverschmutzung, mehr Lärm und
mehr Energieverbrauch. Die Zunahme des Tagestourismus führt zu Einbußen im
mehrtägigen Urlaubstourismus. Denn starker Autoverkehr belästigt die
Urlaubsgäste. Hinzu kommt die Lärmbelastung durch die Schneekanonen. Das
Pfeifen und hohe Sirren hört man kilometerweit - vor allem in der Nacht. Den Orten
und den Hotels bleiben nicht höhere Gewinne, sondern mehr Folgelasten. Bleibt
die Gäste-Steigerung aus, kommt zum ökologischen noch das finanzielle Fiasko
hinzu. Mit den Schneekanonen potenzieren sich die Probleme des
Massenskitourismus und des Tagestourismus.
Was von dem
aktuellen Ausbauwahn bleiben wird, sind die teuren, technischen Einbauten, die
im Winter wie im Sommer in den Gebirgen vor sich hinrosten. Sie werden uns
auch längst nach ihrer eigentlichen Funktion erhalten bleiben und uns unliebsam
an die Zeit des Machbarkeitswahns erinnern. Und sie werden weiterhin Natur und
Landschaft stören und schädigen. Sie werden damit auch weiterhin dem
Sommertourismus schaden.
Bleiben werden
auch die Schäden im Naturhaushalt Boden, Vegetation.
Und bleiben
wird auch die gleichzeitig mit der Errichtung von Schneekanonen in Gang gesetzte
technische Entwicklung mit Infrastrukturen des ,,harten Tourismus" - und die hohen Unterhaltskosten für diese Anlagen.
Wäre es da
nicht ökonomisch und ökologisch besser, die Zeichen der Zeit zu erkennen? Die
Möglichkeiten zu nutzen, die Erholungsorte im bayerischen Alpenraum besser auf
die Folgen des Klimawandels vorzubereiten und sie unabhängig vom Schnee machen?
Innerhalb der globalen Konkurrenz durch die einmalige und einzigartige Natur
und Kultur jeder einzelnen Gemeinde zu bestehen, sich ein Alleinstellungsmerkmal
zu schaffen? Das Geld für sinnvolle Projekte, für den Schutz der Landschaft und
für nachhaltige Anpassungsstrategien an den Klimawandel zu investieren?
Bayern hat
durch seine Tourismusstruktur noch die Chance, umzusteuern.
„Der größte Konflikt, in dem sich staatliche
Instanzen und Gebietskörperschaften gemeinsam auseinandersetzen müssen,
betrifft insbesondere die Entscheidung entweder für Anpassungsmaßnahmen, die
den Status quo trotz zunehmend ungünstiger Klimabedingungen solange wie möglich
zu erhalten suchen, oder für Aktionen, die eine reibungslosere Umstellung auf
die neuen Gegebenheiten des sich wandelnden Klimas gewährleisten sollen.
Generell lag das Schwergewicht bislang mehr auf der Wahrung des Status quo und
weniger auf solchen Umstellungen, die kurzfristig mit hohen wirtschaftlichen
und politischen Kosten verbunden sein können.“
(OECD, 2007).
Je wärmer der
Norden wird, desto weniger zieht es die Leute auf der Suche nach Sonne in den
Süden. Während die Mittelmeerregionen unter der prognostizierten Sommer-Hitze
und Dürre zu leiden haben, könnte sich der Sommertourismus von diesen zu heißen
Urlaubsregionen in die kühleren Alpengebiete verlagern.
Darum gilt es das eigentliche Kapital des bayerischen
Alpen-Tourismus zu erhalten: die „schöne Landschaft“ – unverbaut und unverwechselbar.
"Der Tourismus ist wie kaum ein
anderer Wirtschaftszweig auf eine intakte Natur und Umwelt angewiesen. ... Eine
intakte Umwelt ist das Kapital des Fremdenverkehrs." (BAYERISCHE
STAATSKANZLEI in: Broschüre Urlaubsland Bayern). Die alpine Bergregion wird zunehmend
zu einem „Komplementärraum“, der seine
Bedeutung vor allem aus seiner Naturnähe und seiner landschaftlichen
„Unversehrtheit“ zieht. Studien belegen, dass deutschen Touristen das Thema
„Umwelt“ im Urlaub wichtig ist. Mehr als drei Viertel von ihnen legen Wert auf
eine intakte Umwelt am Reiseziel. Über 70 Prozent stören sich an verbauter
Landschaft. (Studienkreis für Tourismus und Umwelt, 2005, zitiert nach:
alpmedia News 05/2005). Die Mehrzahl der Gäste will - wie Umfragen gezeigt
haben - " Natur, Naturgenuss, gute Fernsicht und intakte Landschaft"
am Urlaubsort - und das im Winter UND im Sommer. So wird z.B. der Hausberg in
Garmisch von jährlich 1.8 Millionen Menschen besucht, von vielen lang bleibenden
Gästen gerade im Sommer.
Der Tourismus
in den bayerischen Alpen ist ein Ganzjahrestourismus
mit Schwerpunkt auf dem Sommer. Auch bayerische Winter-URLAUBS-Orte sind
keine reinen Winter-SPORT-Orte, sondern haben fast immer ganzjährig Saison.
Besonders deutlich wird das am Beispiel von Garmisch-Partenkirchen, einem Ort,
der nach landläufiger Meinung ein Wintersportort ist. Aber gerade in Garmisch-Partenkirchen
kommen deutlich mehr Gäste im Sommer (fast 60 Prozent) als im Winter. Auch im
Winter kommen nur zehn Prozent der Gäste mit Skiern – d.h. für nur vier Prozent
der Gesamtgäste werden ungeheure Summen in Winterinfrastrukturen gesteckt, die
dem Ort sicher weniger bringen als erhofft. Für alle bayerischen
„Wintersport“orte gilt, dass der Anteil der Skifahrer eher gering ist.
Vor allem
Stammgäste und Familien suchen die Erholung auch ohne Schnee. Das hat die gute
Buchungslage trotz des Schneemangels in den Weihnachtsferien 2006 alpenweit gezeigt.
Auch die Seilbahnen waren gut ausgelastet, weil die Gäste trotzdem in die Höhe
fuhren. Einbußen ergeben sich beim Tagestourismus – aber wer verdient daran? -
und bei den Skiliften. Zugenommen hat die Nachfrage nach Wellness-Angeboten,
aber auch Wandern und Kulturangebote im Winter sind immer mehr gefragt.
Die Suche nach
Alternativen zum Skilaufen ist noch
am Anfang. Dazu gehört auch der Mut zum Besonderen, zum Kreativen, zur
„Entschleunigung“ und zum Individuellen. Die Investition in Personen statt in
Technik. Es gibt kein Patentrezept, Vielfalt ist gefragt. Gerade im sensiblen
Alpenraum verspricht die Besinnung auf dauerhafte Tourismuskonzepte, welche die
Schönheit und Unverwechselbarkeit unserer Landschaft nutzen und erhalten, die
besten Erfolge. Einige bedeutende Fremdenverkehrsorte in den Alpen haben dies
bereits erkannt. Nachhaltige Lösungen für Landschaft und Tourismus können in
Kooperationen von Alpenschutzorganisationen mit den Gemeinden gesucht werden.
Beispiele erfolgreicher Kooperation gibt es bereits.
Die Qualitäten
der bayerischen Alpenorte sollten in diesem Sinne weiterentwickelt werden. Mit
Schneekanonen wird ihr Image eher geschädigt. Denn Schneekanonen verbrauchen
vier Dinge mit denen wir besonders sparsam umgehen sollten: Energie, Wasser,
Ruhe und Landschaft.
Beispiele
schneeunabhängiger Winterangebote:
·
Nationalpark
Berchtesgaden:
das seit 1999 angebotene Winterprogramm erfreut sich steigender Nachfrage:
Themen-Wanderungen, Familien- und Kinderprogramme mit Wild-Beobachtungen, Pferdekutschen-
und -Schlittenfahrten u.a. Die Besucherzahlen an den Informationsstellen
wuchsen seit 1998 um rund 40%. Prof. Dr. Grassl, 25.02.2006, Berchtesgadener
Anzeiger: „Der Nationalpark ist das einzig große Pfand, das das Berchtesgadener
Land noch hat. Der ist es, der die Gäste anzieht, und nicht ein zusätzlicher
Skilift.“
Auch andere Nationalparke und Schutzgebiete verzeichnen steigende
Besucherzahlen, Urlaub in „Nationalen Naturlandschaften“ etabliert sich als
Urlaubsform.
·
Ökomodell Achental
e.V. (Lkr.
Traunstein): „Erhalten, erleben, genießen – Gesunder Lebensraum,
Herausforderung für uns alle“ (Fritz Irlacher, Bürgermeister). Fackelwanderung,
Winterbergtouren und andere vielfältige schneeunabhängige Angebote halten die
Stammkunden unabhängig vom Schnee. Hervorragende Wanderkarten und ganzjährig
geöffnete Berggasthäuser machen das Wandern leicht. Auch im Winter 2006/7
sind die Urlauber geblieben, insbesondere das Winterwandern bei herrlichem
Wetter ist stark im Kommen, sogar auch bei den Einheimischen. Sogar im
schneereichen Winter 2005/6 fand der für Fußgänger präparierte Teil der Loipe
den größten Anklang.
Und für den Wunsch nach Skifahren bietet das Achental einen kostenlosen
Bustransfer nach Kössen an.
·
Immenstadt (Allgäu): Rückbau des Skigebietes am
Gschwendner Horn und Umwandlung in ein Winter- und Sommerwandergebiet (1994,
Förderung durch die DBU).
Auch anderswo in den ganzen Alpen wurden Skianlagen stillgelegt bzw. abgebrochen.
Dies wird künftig öfter ein Thema werden und erfordert und eröffnet Chancen für
eine Umorientierung.
·
Pfronten (Allgäu): Bewerbung des Winterwanderns,
„Offener Werkstadl“, „Fackelwanderung mit Besucher einer Wildfütterung“, „Eine
Nacht im selbstgebauten Iglu“ mit Verköstigung durch einen lokalen Biobauern,
„Florales Basteln mit Heu“, „Besichtigung einer Glasbläserei“, Nordic Walking“
u.a. – Auszug aus dem Veranstaltungskalender von Pfronten. Dazu noch eine
Rodelbahn mit Sessellift-Beförderung auf die Hochalpe. Die Breitenbergbahn
hatte 2006/7 keinen einzigen Skitag.
·
Rettenberg (Allgäu): Ablehnung eines vom DSV geplanten
Alpinen Leistungszentrum am Grünten (das dann allerdings in Hindelang
realisiert wurde).
·
Winterwandern hat eine große Zukunft. Z.B. wirbt
der Tiroler Kaiserwinkl mit 80 km geräumten Wanderwegen. Winterwandern
wird in der Schweiz schon heute intensiv beworben. Im schneearmen Winter 2006/7 sind
viele Urlauber bei schönem Wetter nur zum Wandern in die Höhe gefahren. Eine
Vermarktung als „deep temperature trekking“ konnte die Nachfrage bei den
Jugendlichen deutlich steigern – es
kommt also auf die Vermarktung an !
·
Gut angenommene Angebote für geführte Themen-Wanderungen und Erlebnistouren
in der Winternatur, Tierspuren-Suche, „Verborgene Schönheiten im Winter: von
Pilzen und Flechten lernen“, „Überlebenstraining“, „Aktiv für die Landschaft“
(Landschaftspflege-Maßnahmen für Natur und Almbauern), „Wildnis erleben – ein
Stück deutsche Wildnis kennenlernen“, Arbeiten für traditionellen Kulturen (landschaftstypische
Zäune, Basteln mit Heu etc.), „Mit Esel und Ziege unterwegs“, normale
Reitangebote, Lagerfeuer-Romantik oder -Event – es gibt so viele Möglichkeiten,
die Kostbarkeiten der Natur im Winter mit Spaß und allen Sinnen, auch selbst aktiv
zu er-Leben.
·
Genußangebote: Bauernfrühstücke mit gesunden und
regional/ ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln, „Knospenmenü“ oder
„Teekräuter-Suche“ mit der Zubereitung von leckeren Getränken und Speisen auch
im Winter (z.B. Brombeer-Tee). Regionale Erzeuger können mit einbezogen werden.
·
Kulturangebote, die auch das regionale Handwerk in
den Vordergrund stellen können und damit regionale Arbeitsplätze und lokale
Wertschöpfung sichern können.
·
Fackelwanderungen,
·
Wildtierbeobachtungen
·
Gesundheitsangebote, Erlebnisbäder, „Stress- und
schneefrei“ (z.B. zum Saisonauftakt in Winterberg ohne Schnee, 17.12.07), u.a.
·
Villgratental (Osttirol): Werbung mit „Kommen Sie
zu uns: Wir haben - nichts“. Die Werbung mit Ruhe und Stille setzt einen
Gegenpunkt zum zunehmenden Trubel des Skisportes.
·
Rodeln, Schneeschuhwandern, Eislaufen – allerdings als
ebenfalls schnee- bzw. kälteabhängige Angebote ebenfalls sehr
witterungsabhängig. Schneeschuhwanderungen müssen zudem auf die Bedürfnisse der
Tiere abgestellt werden.
Die Erfahrungen sind besser als von vielen befürchtet
...
„Winterwandern voll im Trend: … Trotz Schneemangels vor allem in den tieferen
und mittleren Lagen sind die meisten Verantwortlichen in der Touristikbranche
mit dem Verlauf der Faschingswoche zufrieden. … Winterwandern habe sich zu einem Riesenrenner entwickelt. …. Spezialticket 5 Wander-Höhepunkt
entwickelt. Dabei spart der Winterwanderer 30 % gegenüber dem Normalpreis. …
Statt Tiefschneefahren sei man eher zum Klettern gegangen oder in den
Seilgarten. …. Dirk Schoppmann, Geschäftsführer
des Hotel-Verbundes der Allgäuer Top- und Landhotels, ist von der Stärke der
Region überzeigt. Von Lindau bis Ostallgäu gebe es so viele kulturelle
Höhepunkte, dass auch bei Schneemangel keine Langeweile aufkommen werde.“ (27.02.2007, Allgäuer
Zeitung)
... während die Träume im teuer aufgerüsteten
Skigebiet zerplatzen:
„Blühende Pisten am Spitzingsee
.... Was vom Winter übrig bleibt. Die einen reden vom Klimawandel, die anderen
von neuen Beschneiungsanlagen – Besuch in einem Ort, der vom Schnee lebt, aber
keinen Schnee hat. ... „Nach umfangreichen Modernisierungen zählt das Gebiet
wieder zu den Top 5 Skigebieten in Deutschland .. und zu den schneesichersten“
Es klingt wie ein Witz.“ (22.01.2007, SZ).
Die Alpen als Klima-Modell-Region
…
Im Juni 1992 wurde auf dem Umweltgipfel
von Rio de Janeiro das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung der Gebirgsräume
anerkannt (Agenda 21, Kapitel 13: Mountain-Agenda). Dieses Konzept verlangt
eine die aktuellen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Erfordernisse
berücksichtigende Entwicklung. Sie muss gleichzeitig die
Entwicklungsmöglichkeiten der nachfolgenden Generationen bewahren und die Umwelt
schützen. Das entspricht auch den Forderungen der Alpenkonvention.
Darum müssen wir ein alpines Disneyland
verhindern.
Zum Schutze der Alpen bedarf es
umfassender Umweltverträglichkeitsprüfungen für die Gesamtsysteme, die alle
genannten Aspekte über große Räume hinweg erfassen und bewerten.
Die Alpenkonvention hat die Initiative
für ein alpenweites Skigebiets-Audit ergriffen.
Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. lehnt die Errichtung
neuer Schneekanonen aus den vorgenannten Gründen ab.
Die
Betrachtung, dass die Kanonen ja abgeschrieben seien, wenn das Klima dann irgendwann
nicht mehr mitmacht, ist nicht nur kurzsichtig, sondern verantwortungslos gegenüber
der Natur und dem Steuerzahler. Politiker und Touristiker wären besser beraten,
jetzt endlich umzusteuern, anstatt in einer Art Torschlusspanik und nach dem
Prinzip Hoffnung ökologisch und ökonomisch unsinnige Investitionen in
Kunstschnee zu fordern bzw. zu tätigen. Auch im Interesse der Gemeinden ist es
ehrlicher, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen und angesichts leerer Kassen
keine weiteren Steuergelder in Schneekanonen zu verpulvern. Wer sein Geld jetzt
noch in Schneekanonen vergräbt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er trotzdem
im Grünen sitzt und gegenüber anderen Kommunen mit schneeunabhängigen Konzepten
das Nachsehen hat.
Der BN fordert
ein Ende des ruinösen Schneekanonen-Wettbewerbs auf Kosten der Natur.
Zentrale
Forderungen des BN:
·
Gesamtkonzept bzw. Masterplan für die
bayerischen Alpen, das die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wintersport
berücksichtigt und neue Konzepte und eine neue Ausrichtung des Tourismus erarbeitet.
·
Verzicht auf weitere
Beschneiungsanlagenneubau und auf die Erweiterung bestehender Anlagen und
stattdessen Orientierung des Skibetriebs an den natürlichen Bedingungen, d.h.
Sperrung von Pisten bei unzureichenden Naturschneeauflagen nach den
EU-Richtlinien: Skilauf nur bei ausreichender Naturschneeauflage.
·
Beteiligung der Naturschutzverbände an
allen Verfahren.
·
Für die bestehenden Anlagen die
Erstellung von Gesamtkonzepten mit Ökobilanzen und Umweltverträglichkeitsprüfungen
(UVP) einschließlich umweltrelevanter Gesichtspunkte wie Energie- und
Wasserverbrauch, nachfolgender Kapazitätserhöhungen und Folgelasten wie
Parkplatzbau und Kfz-Verkehr. Anlagen, die diesen Erfordernissen nicht
entsprechen, müssen auf Kosten des Betreibers rückgebaut werden. Die Anlagenbetreiber
müssen zum vollständigen Abbau der Anlagen verpflichtet werden, wenn diese
außer Betrieb genommen werden.
·
Laufende Nachuntersuchungen sowie
konsequente Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften und Kontrolle der Auflagen
bereits bestehender Anlagen. Verschärfung der aufgeweichten Genehmigungsgrundsätze.
·
Keine Steuermittel und keine
Subventionierung zur Finanzierung von Schneekanonen. Kritische Prüfung der
Rentabilität und der Wirtschaftlichkeit unter stärkerer Berücksichtigung des
Klimawandels.
·
Umlagerung der Subventionen und
Förderungen in neue umwelt- und sozialverträgliche Urlaubsformen im Winter, die
in besonderem Maße auch den steigenden Anteil der Nicht-SkifaherInnen berücksichtigt
und die Entwicklung eigener Profile, die die regionalen Besonderheiten
unterstützen und der einheimischen ortsansässigen Bevölkerung zugute kommen.
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